banner-gta-sommer-2016.jpg
  • Apotheker Stefan Fröhling e.Kfm.
  • Mainzer Str. 155
  • 53179 Bonn
  • Telefon: (0228) 9212260
  • Fax: (0228) 92122629

Kassenwechsel: Darauf sollte man achten

Weshalb es sich lohnt, auf Details zu achten, wenn gesetzlich Versicherte die Krankenkasse wechseln möchten
von Michael Aust, aktualisiert am 30.06.2016

Genau hinsehen: Wer die Kasse wechselt, sollte vorher überprüfen, was diese bietet

Getty Images/Tetra Images

Manche bekommen einen Anruf, andere ein "Bitte-gehen-Sie-nicht"-Schreiben: Dass Krankenkassen versuchen, wechselwillige Versicherte umzustimmen, komme durchaus vor, sagt Stephan Longard, Teamleiter in der Abteilung Recht bei der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD). Denn seit viele gesetzliche Kassen wieder Zusatzbeiträge von ihren Mitgliedern verlangen, ist der Kassenwechsel für Versicherte attraktiver geworden – und für Kassen, die um ihre Mitgliedsbeiträge fürchten, ein Ärgernis, das sie vermeiden wollen.

Unterschiedliche Zusatzbeiträge

Für gesetzlich Versicherte ist der Wechsel zu einer anderen Kasse einfach und fast jederzeit möglich. Zurzeit gibt es 118 gesetzliche Krankenkassen. Viele davon sind allerdings nicht bundesweit aktiv oder als Betriebskassen nur für Mitarbeiter eines Unternehmens wählbar. Trotzdem haben Sparwillige eine große Auswahl. Denn jede Versicherung darf über den einheitlichen Beitragssatz von 14,6 Prozent hinaus einen Zusatzbeitrag erheben, wenn das Beitragsaufkommen ihre Kosten nicht deckt.

Einige Kassen nehmen aktuell 0,4 Prozent als Zusatzbeitrag, andere 1,7 Prozent. "Gerade für Menschen mit höherem Einkommen macht sich diese Spreizung schon bemerkbar", sagt Kirchner, Referent für Gesundheit und Pflege bei der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Zum Vergleich: Schon ein Unterschied von 0,2 Prozentpunkten bedeutet für jemanden, der brutto 3.000 Euro im Monat verdient, monatlich sechs Euro Mehrkosten.

Satzungsleistungen durchlesen

Doch man sollte nicht nur auf die Kosten schauen, rät Kai Kirchner. Zwar seien über 95 Prozent der Leistungen bei allen Kassen identisch – von der Behandlung beim Arzt über die Versorgung mit Medikamenten bis zum stationären Aufenthalt. Trotzdem unterscheiden sich die Kassen in ihren sogenannten Satzungsleistungen: Während einige Kassen etwa Akupunktur, Osteopathie oder die professionelle Zahnreinigung bezuschussen, fällt das bei anderen unter die Selbstzahlerleistungen. Hier lohne der Blick ins Kleingedruckte der Kassen-Webseiten, sagt UPD-Berater Longard: "Einige Kassen werben etwa damit, dass sie Geburtsvorbereitungskurse auch für die Väter übernehmen. Allerdings mit der weniger offensichtlichen Einschränkung, dass dafür beide Partner in der gleichen Kasse sein müssen."

Der Wechsel selbst ist ein relativ unbürokratischer Akt. "Das ist kein Hexenwerk", sagt Verbraucherschützer Kirchner. Es gibt nur eine Voraussetzung: dass man mindestens 18 Monate in seiner bisherigen Versicherung war. Ausnahme: Die Versicherung hat gerade ihren Zusatzbeitrag erhöht. In diesem Fall greift ein sofortiges Sonderkündigungsrecht, die Bindungsfrist entfällt. "Der erste Schritt ist, dass man die Kündigung der Versicherung schriftlich mitteilt", erklärt Kirchner.

Kündigungsfristen beachten

Kündigen kann man immer zum Ende des übernächsten Monats: Schickt man das Schreiben zum Beispiel Mitte Juni, kann man also frühestens zum 31. August kündigen. Ist das Schreiben verschickt, muss die Krankenkasse binnen zwei Wochen eine Bestätigung senden. "Damit wendet man sich dann an die neue Kasse und beantragt die Mitgliedschaft", erklärt Kirchner. Doch erst wenn der neue Versicherer eine Mitgliedsbescheinigung geschickt hat und man diese – vor Ablauf des Kündigungstermins – an die bisherige Kasse, den Arbeitgeber oder die Rentenversicherung geschickt hat, ist der Umzug zur neuen Krankenkasse perfekt.

Vorher legen manche Versicherungen wechselwilligen Mitgliedern Steine in den Weg. "Wir beobachten, dass viele Kassen ihre Versicherten nach einem Kündigungsschreiben noch einmal telefonisch kontaktieren", berichtet UPD-Berater Longard. Oft werde in solchen Gesprächen zunächst versucht, die Vorzüge der bisherigen Kasse darzustellen. "Hier sollte man besonnen reagieren, sich nicht überrumpeln lassen und auf keinen Fall am Telefon eine Zusage machen", rät Longard.

Werbeanrufe vermeiden

Wer ins Zweifeln gerät, könne seine Kündigung vor Ablauf der Frist jederzeit zurückziehen. Ob solche Werbeanrufe legal sind, kommt auf den Einzelfall an. Hat der Kunde ihnen vorab zugestimmt, sind sie juristisch unbedenklich. "Wer sichergehen will, bezüglich der Kündigung nicht angerufen oder zu Werbezwecken angeschrieben zu werden, sollte das ruhig in die Kündigung schreiben", rät Verbraucherschützer Kirchner. In diesem Fall seien Unternehmen Werbekontakte gesetzlich verboten.

UPD-Experte Longard kennt aber auch den umgekehrten Fall: Die neue Versicherung lässt sich Zeit mit der Aufnahmebestätigung. "Welche Gründe das im Einzelfall hat, darüber kann man nur spekulieren", sagt Longard. Schließlich sind gesetzliche Kassen verpflichtet, jeden Patienten zu nehmen – egal ob chronisch Kranker oder Sportler. Deshalb brauchen Wechselwillige auch keine Angst zu haben, ohne Versicherung dazustehen. Kommt der Wechsel nach Ablauf der Kündigungsfrist nicht zustande, bleibt der Versicherte in der alten Kasse.

Eine Liste aller gesetzlichen Krankenkassen mit aktuellen Zusatzbeiträgen finden Sie auf der Webseite des GKV-Spitzenverbandes.




Bildnachweis: Getty Images/Tetra Images

Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren »

Krankheits-Ratgeber zum Thema

Lupus Erythematodes

Lupus erythematodes (LE)

Lupus erythematodes beschränkt sich auf die Haut (kutane Form) oder betrifft auch innere Organe (systemischer Lupus, SLE). Ursache ist eine Art Fehler im Immunsystem »

Spezials zum Thema

Frau lächelt

Medizin: Über Krankheiten, Therapien und Vorsorge

Die eigene Gesundheit beschäftigt die Deutschen immer mehr. Ein komplexes Thema, oft schwer zu verstehen, aber oft lebensnotwendig. Ein Überblick der wichtigsten Themenpunkte »

Haben Sie Schlafprobleme?

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages